Dieses stattliche Bruchsteingebäude wirkt auf den ersten Blick wie ein typisches Pfarrhaus – doch seine Geschichte beginnt viel früher und deutlich bescheidener. Bevor dieses Haus 1870 entstand, lebten die ersten katholischen „Missionare“ in einem kleinen, abgelegenen Fachwerkhaus in Steimelhagen. Es wurde später in Steimelhagen abgebaut und mühsam nach Holpe versetzt.
An das neue Haus wurde immer wieder angebaut, es wurde erweitert und modernisiert: ein Erker kam hinzu, die Missionsstation wurde zur Pfarre, und das Gebäude entwickelte sich zu einem zentralen Ort katholischen Gemeindelebens. Heute steht das Ensemble aus Pfarrhaus, Kirche und alten Grabsteinen unter Denkmalschutz und das ehemalige Pfarrhaus selbst befindet sich heute in Privatbesitz.
Sie stehen hier vor dem ehemaligen katholischen Pfarrhaus in Holpe. Es wurde im Jahr 1870 erbaut.
Vielleicht fragen Sie sich: Wie kam es eigentlich dazu, dass in einem kleinen Dorf wie Holpe ein so stattliches Pfarrhaus entstand? Um das zu verstehen, müssen wir etwas zurückgehen – bis ins Jahr 1718.
Nachdem durch die Reformation den Katholiken sowohl die Kirche als auch das Pfarrhaus verloren gingen und die meisten Gläubigen dem damaligen Pfarrer Paulus folgten und evangelisch wurden, schrumpfte die Zahl der katholischen Christen auf nur vier Familien.
Erst im Jahr 1718 wurde unter Erzbischof Joseph Klemens eine katholische „Mission“ eingerichtet. Die ersten „Missionare“ – heute würden wir sie einfach „Pfarrer“ nennen – hatten ihre Behausung in Steimelhagen, etwa zwei Kilometer von Holpe entfernt. Und ihre Lebensumstände waren alles andere als komfortabel.
Hören wir, was der Missionar Petrus Alterauge im Jahr 1731 schrieb:
„Die Renten pro Pastor sind nur 70 Mark, wovon er sein Koch, gleich den übrigen Pfarrgenossen in Kraut und Wurzeln kümmerlich leben muß, und ist dessen Wohnung ein kleines Häuslein, welches weit von der Kirche auf einem hohen Berge gelegen ist, so daß dieser beim Besuche der Kranken sehr bekümmerlich ist. Auch ist alldem kein Brandholz für den Pfarrer, dieses muß er für sein Geld holen lassen.“
Dieser Bericht zeigt sehr anschaulich, unter welchen bescheidenen und mühsamen Bedingungen die katholischen Geistlichen damals lebten.
1735 kaufte Petrus Alterauge schließlich ein Grundstück vor der ehemaligen Missionskirche – genau das Grundstück, auf dem Sie heute stehen.
Um die Lage der Mission zu verbessern, wurde im Jahr 1736 das Haus in Steimelhagen – damals ein Fachwerkhaus – abgebaut und hier in Holpe wieder aufgebaut. 1767 wurde es vergrößert, 1837 erneut renoviert. Doch mit der Zeit geriet das alte Gebäude in einen so schlechten Zustand, dass es einsturzgefährdet und kaum noch bewohnbar war.
Nebenbei änderte sich ab 1805 die Bezeichnung „Mission“: Fortan sprach man wieder von einer „Pfarre“, wie wir es auch heute tun.
Am 21. Juni 1870 wurde schließlich der Grundstein für ein neues Pfarrhaus gelegt – ein stattliches, festes Bruchsteingebäude aus bergischer Grauwacke. Das ist ein typischer Naturstein aus unserer Region: hart, grau, extrem langlebig und seit Jahrhunderten im Bergischen Land für robuste Häuser und Kirchen bekannt.
Den Grundstein finden Sie noch heute links neben der Haustür. Dort liegt auch die Pfarrhausurkunde – gesegnet vom damaligen Pfarrer Heinrich Wilhelm Boddenberg.
In den 1920er Jahren wurde unter Pfarrer Flugfelder der Erker angebaut, damit mehr Licht in das Studierzimmer und das Wohnzimmer fallen konnte. Ein Erker ist übrigens ein kleiner Vorbau, der ein Stück aus der Hauswand herausragt. Im Grunde ein zusätzlicher Fensterplatz, der wie damals mehr Licht in den Raum bringt und oft auch etwas mehr Platz schafft – also das genaue Gegenstück zu einem Kerker mit K.
Im Laufe der Zeit wurde am Pfarrhaus immer wieder angebaut, umgebaut und renoviert. 1984 stellte man das Ensemble aus Pfarrhaus, Kirche, Orgelgehäuse und alten Grabsteinen auf dem Friedhof unter Denkmalschutz.
Da Holpe heute keinen eigenen Pfarrer mehr hat – und dies auch in absehbarer Zukunft nicht zu erwarten ist – wurde das Pfarrhaus auf Erbpachtbasis verkauft und befindet sich inzwischen in Privatbesitz.
Gleich oberhalb des Pfarrhauses liegt die katholische Kirche von Holpe – ein Ort, der eng mit der Geschichte dieses Pfarrhauses verwoben ist und seit Jahrhunderten Mittelpunkt des katholischen Gemeindelebens im Ort war. Dort hören Sie gleich, wie sich die katholische Gemeinde nach der Reformation neu formte – und welche Spuren davon noch heute sichtbar sind.






