Station 6: Katholische Kirche

Audioguide – Station 6
Katholische Kirche (05)
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Katholische Kirche (05)
Katholische Kirche (11)_Drohnenausblick
Katholische Kirche (06) Final
Katholische Kirche (04)_Kunstwerk Madonna Final
Katholische Kirche (03)_Altarkreuz
Katholische Kirche (02)_hangendes Altarkreuz
Katholische Kirche (01)
Katholische Kirche (12)
Katholische Kirche (07)
Katholische Kirche (08)_Sandsteinkreuze
Katholische Kirche (10)_Drohnenausblick
Katholische Kirche (09)_Drohnenausblick
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Die katholische Kirche von Holpe wirkt heute wie ein ruhiger, vertrauter Mittelpunkt – doch ihr Ursprung reicht weit zurück in eine Zeit, in der die katholische Gemeinde hier noch keinen eigenen Gottesdienstraum hatte. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entstand dieser neugotische Bau, dessen Spitzbogenfenster und Turm die Silhouette des Dorfes prägen.

Auch im Inneren liegen viele Geschichten verborgen: kunstvolle Fenster aus dem 19. Jahrhundert, eine historische Orgel, geschnitzte Figuren und Spuren früherer Ausstattung, die durch Reformen immer wieder verändert wurde. Manche Elemente stammen aus der alten Vorgängerkirche und tragen ihre ganz eigene Vergangenheit.

Wie viel Mühe und Material für den Neubau nötig waren, welche Stücke der alten Kirche überlebt haben und welche Bedeutung der Name „St. Mariä Heimsuchung“ hat, erfahren Sie im Audioguide.

Text zum Mitlesen – Station 6: Katholische Kirche

Sie befinden sich in der katholischen Kirche in Holpe.

In der Reformationszeit verloren die Katholiken ihre damalige Kirche – die heutige evangelische Kirche. Von 1670 bis 1718 fanden katholische Gottesdienste deshalb notgedrungen in einem Privathaus statt.

Im Jahr 1718 wurde schließlich eine kleine katholische Kapelle errichtet. Später, 1733 und 1755, kamen zwei Glocken hinzu. Doch im Laufe der Jahrzehnte wurde die Kapelle zu klein.

1829 erfolgte eine Erweiterung: Sie war nun sechs Meter breit und siebzehn Meter lang. Einige Jahre später, 1840, erhielt sie einen Altar, eine Orgel und Bänke. 1876 kam noch ein Taufstein hinzu – ein Geschenk an die Gemeinde.

Diese alte Kirche war ein schlichter, verputzter Saalbau mit drei niedrigen Fenstern. Sie stand auf dem Platz vor dem heutigen Pfarrhaus. Mit der Zeit allerdings verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes: Es war zu niedrig, zu feucht und zu dunkel.

So fasste man gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Entschluss, eine neue Kirche zu bauen.

Nach Plänen des Kölner Architekten Theodor Roß entstand zwischen 1897 und 1899 die heutige gotisierende Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung – ein dreijochiger Saalbau mit Chor und Nordwestturm.

Im Herbst 1899 wurde die alte Kirche abgerissen. Erhalten blieb nur der Turmhahn von 1721, der heute auf der Kriegergedächtniskapelle von 1923, rechts am Friedhofseingang, thront.

Pfarrer Boddenberg und seine Familie schenkten der Gemeinde 1887 eine Summe von 1.710 Mark als Grundkapital für den Neubau.

Im November 1895 begannen in Oberholpe die Steinbrucharbeiten. Die großen Steinblöcke wurden nach Holpe transportiert, dort eckig gehauen und für den Bau vorbereitet.

Im März 1897 begann man mit den Erdarbeiten. Schon im September desselben Jahres – am Fest Mariä Geburt – legte man den Grundstein. Er befindet sich heute in der Sockelmauer des Chors, direkt unter dem mittleren Fenster.

Der nächstgelegene Bahnhof befand sich in Volperhausen, etwa dreieinhalb Kilometer entfernt. Zwischen 1896 und 1901 wurden für den Bau der Kirche insgesamt 66 Waggons entladen – darunter 39 mit Sand, 10 mit Kalk, 7 mit Rheinsand, 2 mit Zement, 3 mit insgesamt 17.950 Ziegelsteinen, sowie 5 mit Portalsteinen und anderem Baumaterial. Drei Bauern aus der Gemeinde transportierten die Materialien mit Fuhrwerken nach Holpe.

Nach einer Winterpause 1897 wurden die Mauerarbeiten im April 1898 fortgesetzt. Schon im November war die Kirche – inklusive Turm – „unter Dach gebracht“, also wetterfest fertiggestellt.

Im September 1899 lieferte der Bildhauer Carl Dörr aus Saulgau den Hochaltar und die Kommunionbank. Noch im selben Monat folgte die Einsegnung der Kirche mit einem feierlichen ersten Gottesdienst. Im November 1899 kam der Beichtstuhl hinzu, im Februar 1900 folgten Seitenaltäre und die Kanzel.

Die Gesamtkosten des Neubaus beliefen sich auf 61.878 Mark. Doch fast alle dieser ursprünglichen Ausstattungsteile – mit Ausnahme des Beichtstuhls – fielen 1965 dem Erneuerungsdrang des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Opfer.

Im Jahr 1899 trafen die neue Turmuhr des Uhrmachers Bernhard Vortmann aus Recklinghausen und drei Glocken einer Glockengießerei aus Bremen in Holpe ein. Die beiden älteren Glocken aus den Jahren 1733 und 1755, die noch aus der abgerissenen Kapelle stammten, verkaufte man für 175 Mark. Die alte Orgel fand ihren neuen Platz in einer Kirche in Solingen.

Im Ersten Weltkrieg, 1917, wurden die erste und dritte Glocke für Kriegszwecke beschlagnahmt – das Metall wurde eingeschmolzen. 1959 entschied sich die Gemeinde, ein neues Geläut anzuschaffen – von der Firma Petit & Gebrüder Edelbrock aus Gescher. Seitdem erklingt, wenn alle vier Glocken läuten, der Beginn des Liedes „Christ ist erstanden“ – mit der Tonfolge A – G – C – D.

1975 wurde die Kirche renoviert und neugestaltet. Heute sehen Sie in einer neugotischen Einfassung einen silbergetriebenen Tabernakel und über dem Altar hängend ein Kreuz – beides Kunstwerke von Hans Rheindorf aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Auch das Gewölbe wurde im Jahr 1975 neu ausgemalt – und zwar von Hans Heider. Die dort zu sehenden feinen Blumenornamente verweisen auf das himmlische Paradies.

Die Kreuzwegstationen an den Wänden stammen noch aus der Erstausstattung um 1900. Sie wurden auf Kupfertafeln gemalt – nach den Führich-Fresken der Johannes-Nepomuk-Kirche in Wien – und in schöne Eichenschnitzrahmen gefasst.

Vorne im Chorraum erkennen Sie drei figürliche Chorfenster: Im linken Fenster die Mariä Verkündung und die Darstellung Jesu im Tempel, im mittleren Fenster die Mariä Heimsuchung – also Marias Besuch bei ihrer Cousine Elisabeth – und im rechten Fenster die Geburt Jesu sowie die Szene, wie Jesus unter den Schriftgelehrten im Tempel von Jerusalem wiedergefunden wird.

Geschaffen wurden die Fenster von der Firma Dr. Heinrich Oidtmann in Linnich am Niederrhein – im Jahr 1896.

Drehen Sie sich nun einmal um: An der Emporenbrüstung entdecken Sie ein fein gearbeitetes Kunstwerk – die Madonna eines ehemaligen Prozessionsstabs aus dem 18. Jahrhundert. Die gekrönte Muttergottes, umgeben von einem Strahlenkranz, steht auf der Weltkugel mit einer Schlange zu ihren Füßen.

Im Alten Testament wurde Eva von der Schlange verführt, vom verbotenen Baum zu essen. Am Beginn des Neuen Testaments wiederum steht erneut eine Frau – Maria –, die die Schlange zertritt.

Auf der Empore sehen Sie auch die heute denkmalgeschützte, pneumatisch traktierte Orgel der Firma Johannes Klais aus Bonn mit ca. 13 Registern. Sie besitzt einen romantisch weichen, grundtönigen Klang.

Das Werk wurde 1912 in Bonn gefertigt, in einen Eisenbahnwaggon verladen und nach Volperhausen transportiert – von wo aus Pferdefuhrwerke es hierher nach Holpe brachten. 1990 stellte der Orgelsachverständige des Rheinischen Amts für Denkmalpflege fest, dass sich das Instrument in einem erstaunlich guten Erhaltungszustand befindet.

Schon 1936 hatte man ein elektrisches Gebläse eingebaut – doch die alte Fußraste für den Kalkanten, also den Balgtreter, ist bis heute erhalten und kann – etwa bei Stromausfall – noch genutzt werden.

Draußen auf dem Friedhof finden Sie drei alte Sandsteinkreuze aus dem späten 18. Jahrhundert. Ebenso sehenswert ist das Eichenrelief der Kriegergedächtniskapelle von 1923, rechts neben dem Friedhofseingang. Es wurde von Hans Hirsch aus Günzburg an der Donau geschaffen.

In der Kirchenchronik „100 Jahre Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung Holpe“ wird das Werk so beschrieben:

„Das Relief stellt dar, wie Christus sterbend zu seiner Mutter spricht: ‚Siehe da deinen Sohn.‘ Anstelle des heiligen Johannes liegt ein sterbender Krieger am Boden, der seine Sorgen der reinsten Jungfrau übergibt.“

Wie Sie gerade gehört haben, gehört die katholische Kirche zu den Orten in Holpe, die besonders viel Geschichte mit sich bringen.

Wenn Sie jetzt die Treppen wieder hinuntergehen und unten der Straße ein kleines Stück folgen, erreichen Sie direkt die nächsten beiden Stationen. Die erste davon ist Station 7: das Gesellenhaus.

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