Station 9: Kaiserlinde

Audioguide – Station 9
Hinweis: In dieser Station hören Sie einen musikalischen Beitrag. Die vollständige Aufnahme finden Sie unten auf der Seite.
Kaiserlinde (1)
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Kaiserlinde (1)
Kaiserlinde (2)
Kaiserlinde (03)_Kaiser Porträt
Kaiserlinde (02)_Hoher Besuch
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Auf den ersten Blick ist es einfach nur eine große Linde – doch diese Kaiserlinde wurde 1871 anlässlich der Krönung von Kaiser Wilhelm I. gepflanzt und war über Jahrzehnte ein politisches und emotionales Symbol für das Dorf. Hier versammelten sich Schulkinder zu kaiserlichen Gedenktagen. Hier wurden Treue, Patriotismus und „Vaterlandsliebe“ gefeiert, lange bevor jemand an moderne Demokratien dachte.

Gleichzeitig war die Linde aber auch der ganz persönliche Dorfbaum: ein Ort zum Zusammenkommen, zum Reden, zum Feiern – und für die Kinder eine Quelle der Fantasie. Denn in Holpe hatte man eine sehr eigene Erklärung dafür, wo die Neugeborenen herkamen, und die Linden spielten dabei eine Hauptrolle.

Welche wichtige Rolle aber auch die Eiche früher in den Dörfern spielte und was es mit den „Babys aus der Linde“ wirklich auf sich hat, erfahren Sie im Audioguide.

Musikaufnahmen zu Station 9
gesungen von Johannes Klüser
Der Lindenbaum – Strophe 1
Der Lindenbaum – Strophe 2
Text zum Mitlesen – Station 9: Die Kaiserlinde

Sie stehen hier vor einem mächtigen Baum, der über 150 Jahre Geschichte in seinen Kronen trägt.

Denn im Jahr 1871, zur Krönung von Kaiser Wilhelm I., pflanzten die Holper neben der katholischen Schule – dem heutigen Kindergarten – diese Linde: die Kaiserlinde.

Holpe war damals ein bescheidenes Dorf. Für ein großes Denkmal oder einen Gedenkstein fehlte schlicht das Geld. Aber einen Baum zu pflanzen – das war möglich.

In der Holper Schule gab es damals jedes Jahr zwei feste Feiertage: Am 22. März feierte man den Geburtstag „Seiner Majestät, unseres allergnädigsten Königs und Kaisers“. Und am 2. September erinnerte man an die Gefangennahme von Napoleon III., die nach damaliger Sicht den Weg zur Wiederherstellung des untergegangenen deutschen Kaiserreichs möglich gemacht hatte.

Diese Tage sollten den Schülerinnen und Schülern die preußische und spätere deutsche Geschichte näherbringen – und vor allem die Loyalität gegenüber dem preußischen Königshaus, dem Vaterland, dem Kaiser und dem Reich stärken.

Im Jahr 1878 gab es gleich zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I.: Das erste verlief ohne Wirkung, doch beim zweiten wurde er schwer verletzt.

Als Reaktion darauf rief man im ganzen Land die sogenannte Wilhelmsspende ins Leben – eine große Solidaritätssammlung, bei der Bürgerinnen, Bürger und Gemeinden Geld spendeten, als Zeichen ihrer Ablehnung des Attentats und ihrer Treue zum Kaiser. Auch die Schule in Holpe beteiligte sich daran mit einem eigenen Beitrag.

Das Jahr 1888 ging als das berühmte Dreikaiserjahr in die deutsche Geschichte ein. Wilhelm I., dem diese Linde gewidmet wurde, starb rund zehn Jahre nach dem zweiten Attentat am 9. März 1888 im Alter von 90 Jahren.

Nach ihm folgte Kaiser Friedrich III., der jedoch nur 99 Tage regierte, bevor er seiner schweren Krankheit erlag. Und am 15. Juni 1888 wurde schließlich Wilhelm II. König von Preußen und damit auch deutscher Kaiser.

Einige Jahre später, am 16. Oktober 1913, kam es zu einem für die Region außergewöhnlichen Ereignis: Kaiser Wilhelm II. reiste im offenen Wagen in Jägertracht durch das Oberbergische. Er besuchte dabei Gummersbach und Waldbröl, die beiden nächstgrößeren Städte der Umgebung.

Noch heute erinnern die dortigen Kaiserstraßen an diesen Besuch – kleine Spuren kaiserlicher Geschichte mitten im Bergischen Land.

Überall in Europa – und auch im Oberbergischen – war die Linde über Jahrhunderte hinweg der Mittelpunkt des Dorflebens. Unter ihren ausladenden Kronen trafen sich die Menschen, um zu reden, zu feiern, zu beraten und Entscheidungen zu treffen.

Die Linde war ein Baum der Gemeinschaft und wurde vielerorts fast wie ein natürlicher Versammlungssaal genutzt. Sie galt als Baum der Weisheit. Unter einer Linde, so glaubte man, sollten gerechte Entscheidungen gefällt werden – etwa bei kleineren Streitigkeiten oder sogar bei Gerichtsverhandlungen. Im Schatten ihrer Krone sollte das Urteil fair sein.

Für die eigentliche Vollstreckung von Gerichtsentscheidungen nahm man dagegen meist die Eiche, die als Galgenbaum diente. Ganz in der Nähe von Holpe gibt es bis heute einen Hof mit dem Namen „Galgenberg“ – ein deutlicher Hinweis darauf, dass hier früher eine solche Vollstreckungseiche gestanden haben könnte.

Neben der Kaiserlinde, vor der Sie jetzt stehen, gab es in der Holper Ortsmitte lange Zeit noch eine weitere besondere Linde: eine rund 500 Jahre alte Dorflinde, wie Sie bereits in der ersten Station gehört haben.

Und die Kinder machte man glauben, die Neugeborenen kämen aus dieser alten, hohlen Linde vor der evangelischen Kirche.

Direkt hier neben der Kaiserlinde finden Sie auch die nächste Station Nummer 10: die katholische Schule.

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