Auf den ersten Blick ist es „nur“ ein altes Fachwerkhaus – aber wenn man genauer hinschaut, erzählt es gleich mehrere Geschichten. Die rechte Haushälfte stammt aus dem 18. Jahrhundert, die linke aus dem 19. Jahrhundert, und doch verbindet beide ein Detail, das weit älter ist als das sichtbare Fachwerk: eine Inschrift über der Tür mit der Jahreszahl 1608.
Solche Türsprüche waren früher so etwas wie die Visitenkarte eines Hauses. Sie sollten schützen, segnen und zeigen, wofür die Bewohner stehen. Diese hier gilt als die älteste bekannte Türinschrift der ganzen Gemeinde Morsbach – und sie zeigt sich genau an diesem Haus in Holpe.
Sie stehen jetzt vor einem der ältesten Häuser in Holpe. Wenn Sie genau hinschauen, fällt Ihnen vielleicht auf, dass die rechte und linke Seite des Fachwerks ganz unterschiedlich wirken.
Der rechte Teil – die ehemalige Stube – wurde um 1770 errichtet. Der linke Teil hingegen stammt aus dem 19. Jahrhundert. Man erkennt sofort die unterschiedlichen Bauweisen und Hölzer.
Fällt Ihnen etwas auf? Schauen Sie einmal nach rechts oben über die Haustür. Sehen Sie die Inschrift in dem großen Querbalken?
Sie lautet:
WER GOTT VERDRAUT HAT WOLGEBUT IM HEIMEL UND AUF ERDEN
WER SICH VERLEST AUF JESUM CHRS DEM MUS DER HEIMEL WERDEN
GOTTSGUT UNDT ANO 1608
Diese alte Inschrift, in frühneuhochdeutscher Sprache, lässt sich sinngemäß so verstehen: Wer Gott vertraut, dem geht es gut im Himmel und auf Erden. Wer auf Jesus Christus vertraut, dem wird der Himmel offen stehen. – Gottesgüte im Jahr 1608.
Die nachweislich älteste Türinschrift der gesamten Gemeinde Morsbach findet sich hier in Holpe – an genau diesem Haus. Leider ist sie heute nicht mehr vollständig erhalten. Doch die eingeschriebene Jahreszahl 1608 ist klar zu erkennen.
Vermutlich wurde diese Inschrift von einer anderen Stelle übernommen und hier erneut in den Balken eingeschnitzt. Denn Fachwerk dieser Art gab es um 1600 in dieser Form noch nicht.
Interessant ist auch die alte Schreibweise: „Heimel“ statt „Himmel“. Diese Schreibweise war übrigens noch bis etwa 1790 gebräuchlich.
Haustüren waren damals weit mehr als nur ein Eingang. Sie waren ein Zeichen des Willkommens – fast wie ein Händedruck oder eine Visitenkarte. Auf die Haustür und auf die gesamte Eingangssituation legte man großen Wert. Türinschriften zeugten vom Glauben und der Gesinnung der Hausbesitzer. Sie gaben den Besuchern schon am Eingang einen Eindruck davon, welche Werte hier gelebt wurden.
In der Gemeinde Morsbach war es etwa bis Mitte des 19. Jahrhunderts üblich, im breiten Sturzriegel über der Haustür – also dem Querbalken – eine Inschrift einzuschnitzen. Diese Türsprüche enthielten meist religiös geprägte Bitten oder Sinnsprüche, in denen man Gottes Schutz gegen Feuer, Seuchen oder Kriege herbeirief. Am Ende standen oft die Namen der Bauherren und die Jahreszahl des Hausbaus.
Auch in Oberholpe gibt es noch weitere Häuser mit solchen Türsprüchen: eines aus dem Jahr 1786 und ein weiteres von 1811.
Ein paar Schritte weiter die Straße hinunter wartet auf Sie auch schon Station 5: das katholische Pfarrhaus.




