Station 8: Marienbrunnen

Audioguide – Station 8
Der Marienbrunnen (01) (1)
Der Marienbrunnen (01) (1)
Marienbrunnen auf der Mercator-Karte (1575)
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Dieser unscheinbare Brunnen gehört zu den ältesten Orten im Dorf und war früher die wichtigste Wasserquelle im Oberdorf. Sein Wasser galt als besonders rein, hatte das ganze Jahr über nahezu die gleiche Temperatur und war so beliebt, dass man es tatsächlich abfüllte und in andere Städte verschickte.

Viele Holper verbinden mit diesem Platz Erinnerungen – von Erzählungen über seine nachgesagten Heilkräfte bis hin zu Geschichten, in denen das „Börnchen“ eine fast schon magische Rolle spielte. Auch die Herkunft des Ortsnamens und die frühere Bedeutung Holpes als kleiner Wallfahrtsort hängen eng mit dieser Quelle zusammen.

Welche Mythen, historischen Ereignisse und kuriosen Anekdoten rund um das Börnchen überliefert sind, erfahren Sie im Audioguide.

Text zum Mitlesen – Station 8: Das Börnchen

Sie stehen jetzt vor dem sogenannten Börnchen – einer Quelle, die in Holpe seit Jahrhunderten eine besondere Bedeutung hat.

Holpe wird 1391 erstmals in einer Urkunde des Klosters Merten bei Eitorf erwähnt – damals noch unter dem Namen „Hoilpe“. Man erzählt, dass sich Nonnen dieses Klosters hier niedergelassen haben.

Etwa 200 Jahre später, im Jahr 1575, taucht der Ort in der berühmten Mercator-Karte auf – einer der ersten gedruckten Landkarten Europas, entworfen von Arnold Mercator. Darin wird Holpe als „Marienhöllfe“ bezeichnet, was auf heutiges Deutsch übersetzt bedeutet: „Marienhilfe“.

Holpe war in alter Zeit ein Marien-Wallfahrtsort. Und was wäre ein Wallfahrtsort ohne einen Heilbrunnen? Die Quelle, die Sie hier vor sich sehen, war schon immer für ihr gesundes Wasser bekannt. Ihr wurden Heilkräfte mit fast wunderlicher Wirkung nachgesagt.

Manche füllten das Wasser sogar in Flaschen und verschickten es in entfernte Städte. Noch bis in die 1940er Jahre nutzten die Menschen dieses Heilwasser bei Augenleiden und Magenbeschwerden.

Die besondere Wasserqualität war bis weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt – und es gibt sogar heute noch ältere Dorfbewohner, die beim Gedanken an den Geschmack dieses Wassers ins Schwärmen geraten:

„Frisch gekirnte Butter, gewaschen mit dem Wasser des Börnchens“ – das war eben etwas ganz Besonderes.

Wer sich einen besonders guten Kaffee gönnen wollte, scheute keine Mühe, um dieses köstliche Nass zu holen. Bis 1925 schöpften die Holper ihr Trinkwasser noch mit Kannen aus dem Brunnen – es sei denn, sie hatten eine eigene Quelle im Keller. Dann wurde Holpe an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen – und das Börnchen verlor nach und nach an Bedeutung.

Nur ein einziges Mal ist der Brunnen übergelaufen: Am 5. Juni 1900 fielen Regen und Hagel in solchen Massen, dass an manchen Stellen der Hagel über mehrere Tage hinweg einen Meter hoch liegen blieb. Äcker wurden zerrissen, Hecken und Gärten fortgespült. Ein Orkan schleuderte Steine durch die Luft und entwurzelte große Bäume.

Und heute? Das Wasser des Börnchens steht immer gleich hoch – egal ob in trockenen oder in regenreichen Jahren. Die Wassertemperatur bleibt konstant, sommers wie winters: etwa 8 Grad.

1990 ließ die Gesellschaft für Landeskultur im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms eine Voruntersuchung durchführen. Das Marienbörnchen galt als sanierungsbedürftig. Ziel war es, diesen historischen Ort wieder erlebbar zu machen. Das Umfeld wurde neu gestaltet, von den Verkehrsflächen abgegrenzt und in ein harmonisches Gesamtbild verwandelt.

Und falls Sie jetzt in Versuchung geraten, das Wasser selbst zu probieren … tun Sie das lieber nicht. Der Brunnen wurde seit langer Zeit nicht mehr gereinigt.


Wenn Sie nun von hier aus ein Stück die Straße hinuntergehen, finden Sie auf der rechten Seite das kleine Gässchen, das Sie direkt zur nächsten Station führt. Schauen Sie zur Orientierung gerne auch einmal auf der interaktiven Google-Maps-Karte nach.

Und was Kaiser Wilhelm I. mit Holpe zu tun hat, das erfahren Sie bei unserer nächsten Station Nummer 9: die Kaiserlinde.

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