Station 14: Oberholpe

Audioguide – Station 14
Hinweis: In dieser Station hören Sie einen musikalischen Beitrag. Die vollständige Aufnahme finden Sie unten auf der Seite.
Ober Holpe (02)_Drohnenausblick
previous arrowprevious arrow
next arrownext arrow
Ober Holpe (02)_Drohnenausblick
Oberholpe (5)_Inschrift
Oberholpe (4)_Wand
Ober Holpe (01)
Oberholpe – Historisches Fachwerkhaus
previous arrow
next arrow

Oberholpe wirkt heute wie ein stiller, zusammenhängender Fachwerkwinkel – hinter den Häusern steckt eine seltene Struktur, die man im Oberbergischen kaum noch findet. Acht historische Gebäude stehen hier dicht beieinander, manche mit alten Türinschriften, manche mit Fundamenten aus dem eigenen Steinbruch oberhalb des Weilers. Der kleine Ort war früher ein eigener Lebensraum, geprägt von Landwirtschaft, Waldarbeit und den Berufen, die aus der Umgebung entstanden.

Spuren davon sieht man bis heute: den ehemaligen Steinbruch, aus dem Baumaterial für ganze Höfe gewonnen wurde, und die Plätze, an denen die Köhler ihre Meiler betrieben und aus Holz Holzkohle brannten. Alles lag hier nah beieinander – Wohnen, Arbeiten, Wirtschaften. Oberholpe erzählt noch immer von dieser Zeit, wenn man sich die Häuser und ihre Details genau anschaut.

In unserem letzten Audioguide dieser Tour erfahren Sie mehr über das Leben im Weiler, die Arbeit der Köhler und die besonderen Häuser, die Oberholpe bis heute prägen.

Musikaufnahmen
gesungen von Johannes Klüser
Im schönsten Wiesengrunde – Strophe 1
Im schönsten Wiesengrunde – Strophe 2
Text zum Mitlesen – Station 14: Oberholpe

Sie stehen hier vor einem Fachwerkensemble der besonderen Art. Oberholpe – so heißt dieses kleine Dorf neben Holpe. Vielleicht spüren Sie schon jetzt die besondere Atmosphäre dieses Ortes: ruhig, geschichtsträchtig und doch lebendig.

Oberholpe war früher ein sogenannter Weiler – also eine winzige Siedlung, kleiner als ein Dorf, bestehend aus nur wenigen Gebäuden.

Hier auf engem Raum stehen acht Häuser mit ihren Wirtschaftsgebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Zusammen bilden sie einen sogenannten Hofzusammenhang: eine dichte, traditionelle Bauweise, bei der mehrere Höfe funktional miteinander verbunden waren. Solche Ensembles sind im Oberbergischen Kreis heute eine Seltenheit. Viele der Häuser stehen unter Denkmalschutz.

Eine alte Volkszählung aus dem Jahr 1731 erwähnte vier Feuerstellen. Und da zu der Zeit vier Personen pro Feuerstelle gerechnet wurden, wies Oberholpe damals 16 Bewohner auf. Bis 1860 war die Zahl auf 53 gestiegen – und 1876 lebten hier bereits 106 Bürger.

Die Menschen lebten von Wald- und Landwirtschaft, mussten aber meist noch weitere Einkommensquellen finden: als Bergmänner, Köhler oder Steinbrucharbeiter.

Um Holpe herum gab es früher mehrere Bergwerke und Gruben. Hinter Oberholpe in Richtung Bruchhausen kann man noch heute einen alten Steinbruch erkennen. Das dort abgebaute Gestein wurde genutzt, um die Fundamente und Keller der Fachwerkhäuser, Ställe und Scheunen zu errichten.

Auch die Steine für den Neubau der katholischen Kirche im Jahr 1895 wurden hier gewonnen und mit Fuhrwerken nach Holpe transportiert.

In der Nähe des Steinbruchs wurden auch Kohlenmeiler betrieben: riesige Holzhaufen, in denen Holzkohle hergestellt wurde. Holzkohle hat einen höheren Brennwert als Holz. Sie wurde gebraucht, um Erze zu schmelzen oder Metall zu schmieden.

Dafür schichteten die Köhler Spaltholz und Äste kreisrund auf, deckten den Haufen mit Lehm und Rasensoden ab und ließen ihn langsam schwelen – oft über Tage oder Wochen. Der Brand musste ständig überwacht werden. Während dieser Zeit wohnten die Köhler in kleinen Hütten direkt neben ihrem Meiler. Man kann sich gut vorstellen, wie sie abends im Feuerschein saßen – den Rauch in der Luft und das Knistern im Ohr.

Die ältesten Fachwerkhäuser in Deutschland stammen aus dem 14. Jahrhundert. Auf dem Land blieb das Fachwerk bis ins 19. Jahrhundert die vorherrschende Bauweise. Auch hier in Oberholpe stammen die meisten Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Das älteste bekannte Gebäude wurde 1759 erbaut. Heute trägt es die Adresse Am Südhagen 3.

Wie wurden solche Häuser gebaut? Auf einen gemauerten Bruchsteinsockel – oft auch auf ein Kellergeschoss – wurde ein Gitterwerk aus senkrecht in die Höhe führenden Ständern gesetzt. Waagrecht und schräg eingespannte Streben gaben den Wänden Stabilität.

Die dabei entstehenden Zwischenräume – die Gefache – wurden mit Flechtwerk aus dünnen Ästen gefüllt und mit einem Gemisch aus Lehm und Stroh ausgeputzt.

Lehm war überall leicht verfügbar. Fast jedes Dorf hatte seine eigene Lehmgrube. Direkt unter der oberen Erdschicht konnte man ihn im Tagebau gewinnen. Er diente als Baumaterial für Böden, Decken und Wände, aber auch als Putz im Ofenbau. Er war preiswert, feuerfest – und hielt die Häuser im Sommer kühl und im Winter warm. Durch den Strohanteil wurde der Putz besonders wärmedämmend.

Und so wie damals entdecken heute viele Menschen den Lehm wieder – als natürliches Baumaterial im modernen Ökohausbau.

Was Sie hier sehen, ist also mehr als nur alte Architektur. Es ist ein Stück lebendige Geschichte: ein Ort, der vom Leben, vom Handwerk und vom Zusammenhalt seiner Menschen erzählt. Wenn Sie jetzt die Augen schließen, können Sie ihn fast spüren – den Klang der Hämmer, den Geruch von Holz und Erde und das Gefühl, wie es war, als hier vor Jahrhunderten der Alltag pulsierte.

Hiermit sind wir am Ende unserer Audiotour angekommen. Und – konnten Sie alle Fragen auf den Infotafeln beantworten? Falls nicht, laufen Sie doch gerne einfach noch eine Runde: Die interaktive Karte zeigt Ihnen jederzeit den Weg.

Wir bedanken uns fürs Zuhören und hoffen, wir konnten Ihnen die Geschichte Holpes und die Besonderheiten dieses Ortes ein Stück näher bringen. Vielen Dank, dass Sie mit dabei waren. Und vielleicht hören wir uns ja irgendwann wieder. Bis dahin – und alles Gute.

Zum Weiterlesen nach unten scrollen.