Dieses Bruchsteingebäude am Bach war früher die katholische Schule von Holpe – ein kleiner, zweistöckiger Bau, in dem Schulsaal und Lehrerwohnung dicht übereinander lagen. Der Platz war knapp, die Räume oft feucht, und das Licht reichte kaum aus, weshalb der Unterricht hier nicht immer einfach war. Erst ein späterer Anbau brachte etwas mehr Raum und bessere Bedingungen.
Trotzdem war dieser Ort über viele Jahrzehnte ein zentraler Teil des Dorflebens. Hier lernten Generationen von Kindern lesen und schreiben – darunter auch Fritz Wingen, der später ein bedeutender Künstler wurde. Heute ist die frühere Schule ein Kindergarten, doch ein Blick auf die alten Mauern verrät noch immer viel von ihrer Geschichte.
Können Sie sich vorstellen, dass es in einem kleinen Dorf wie Holpe zwei Schulen gab?
Die erste Schule wurde 1746 gegründet – eine sogenannte Simultanschule, also eine gemeinsame Schule für katholische und evangelische Kinder. Damals fand der Unterricht noch in einem angemieteten Saal der späteren Gastwirtschaft statt.
Doch Bildung gewann in Preußen zunehmend an Bedeutung. Ein einziger Lehrer und ein einziger Raum reichten bald nicht mehr aus. So entstanden im Jahr 1847 zwei getrennte Schulen: eine katholische und eine evangelische.
Sie stehen hier vor der ehemaligen katholischen Schule. Am 21. Januar 1847 erhielt sie ihren ersten Schulleiter.
Das Grundstück liegt bis heute in der Nähe des Holper Bachs. Der Boden war feucht, nahezu sumpfig. Und erst durch die Anlage von Entwässerungsgräben konnte das Gelände bebaut werden.
1845 begann der Bau des Schulhauses, 1846 war er vollendet: ein zweistöckiges Gebäude aus bergischer Grauwacke, etwa zehn Meter lang und fünfeinhalb Meter breit. Der Unterricht fand oben im ersten Stock statt, unten lebte der Lehrer mit seiner Familie.
Doch schon bald zeigte sich: Die Wohnräume waren zu eng, zu feucht, zu dunkel. Alle litten unter der feuchten Luft – und erst recht die Familie des Lehrers kränkelte oft, besonders in Herbst und Winter.
Das Gebäude war in Nord-Süd-Richtung gebaut. Die Fenster lagen auf der Nord- und Westseite: kaum Licht, kaum Wärme.
1866 begann man daher, einen Anbau zu errichten, wodurch sich die Situation nach Vollendung im Jahr 1868 für die Schülerinnen und Schüler – und auch für die Lehrerfamilie – entscheidend verbesserte. Das Grundstück zum Bach hin wurde erhöht und der Holper Bach durch eine Mauer in sein Bett gezwungen. Somit war das Schulgebäude endlich besser vor Nässe geschützt.
Im 19. Jahrhundert übernahm der Staat immer mehr Kontrolle über die Schulen. 1875 entzog man den Pfarrern die Schulaufsicht. Sie durften fortan weder Religionsunterricht erteilen noch den Schulhof betreten.
Und am 12. August 1937 bekamen alle Geistlichen, die noch Religionsunterricht gaben, ein offizielles Schreiben: Ab den Sommerferien dürfe nur noch staatliches Lehrpersonal Religion unterrichten.
Mit Beginn des Schuljahres 1939 wurden die konfessionsgebundenen Schulen aufgehoben. An ihre Stelle trat die Deutsche Einheitsschule – eine einheitliche Schule für alle Kinder. Kreuze und Heiligenbilder mussten entfernt werden.
Die Kinder vom 1. bis zum 4. Schuljahr gingen in die ehemals evangelische Schule im Ortskern. Die vom 5. bis zum 8. Schuljahr in die ehemals katholische Schule – genau jene, vor der Sie hier stehen.
Nach dem Krieg kehrte das alte System kurzzeitig zurück: Die konfessionellen Schulen wurden wieder eingeführt.
1965 fand dann eine Befragung statt: Sollte Holpe eine Gemeinschaftsgrundschule bekommen? Bei der zweiten Umfrage stimmte die Mehrheit dafür. Inzwischen war zuerst das 9. Schuljahr, dann auch das 5. bis 8. Schuljahr nach Morsbach umgezogen. Die katholische Schule bestand schließlich nur noch ein Jahr.
Mit der nordrhein-westfälischen Schulreform von 1968 wurde die Volksschule aufgelöst. Seitdem gibt es in Holpe nur noch eine Grundschule – in den Räumen der ehemaligen evangelischen Schule.
Das Gebäude, vor dem Sie jetzt stehen, wird seit den frühen 1970er-Jahren als Kindergarten genutzt.
Eine herausragende Lehrerpersönlichkeit war Josef Wingen, der hier von 1885 bis 1908 unterrichtete. Er war mehr als nur Lehrer: Er organisierte Fortbildungen, leitete den Kirchenchor, führte Regie bei Theaterabenden, gab Klavier- und Geigenunterricht und war außerdem Organist in der katholischen Kirche.
Doch damit nicht genug: Wingen betrieb auch eine Baumschule, in der seine Schüler das Okulieren lernen konnten – also das Veredeln von Obstbäumen. Er besaß ein Bienenhaus mit 24 Stöcken und gründete sogar eine landwirtschaftliche Genossenschaft.
Sein ältester Sohn, Fritz Wingen, wurde am 14. Mai 1889 hier, in diesem Gebäude, geboren. Er wurde ein bedeutender Universalkünstler, der jedoch im Konzentrationslager ums Leben kam. Mehr über ihn erfahren Sie an der Station „Fritz-Wingen-Platz“.
Wenn Sie die Straße nun ein kleines Stück weiter hinuntergehen, erreichen Sie direkt nach der Kurve die Brücke über dem Holper Bach. Dort wartet auch schon die gleichnamige Station Nummer 11 auf Sie.




